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Altes Land: Obstparadies vor den Toren Hamburgs

Nicht mehr lang, und emsiges Summen wird die Luft erfüllen. Ende April entfalten sich die Kirschblüten zu ihrer vollen Pracht. Und der betörende Duft ruft die Bienenvölker zur Arbeit. Auch mehrere Millionen Apfelbäume tragen schon dicke Knospen, doch lassen sie den Kirschen den Vortritt. Man macht sich eben keine Konkurrenz um die Gunst von Bienen und Besuchern. Denn auch diese lassen sich in Scharen von der Obstblüte im Alten Land anlocken.

Das Alte Land ist das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Deutschlands. Es liege direkt vor den Toren Hamburgs, heißt es immer wieder. Das stimmt nur teilweise, denn drei Orte des Alten Landes gehören sogar zur Hansestadt: Francop, Neuenfelde und Cranz. Dass man sich in oder in der Nähe einer Großstadt befindet, ist jedoch schnell vergessen. Denn Hektik sucht man hier vergebens.

Die Region zwischen den beiden Hansestädten Hamburg und Stade hat ihren Namen übrigens nicht deshalb, weil sie besonders alt ist. Er geht vielmehr auf die niederländischen Siedler zurück, die einige Erfahrung mit dem Entwässern und dem Deichbau hatten: Wo heute vor allem Apfelbäume blühen, befand sich vor 900 Jahren eine unwirtliche Sumpflandschaft. Das neu gewonnene Land wurde Olland genannt – und über die Jahrhunderte zum Alten Land.

Der Boden war stets fruchtbar und bescherte den Bauern einigen Reichtum, der heute noch zu bewundern ist: Die prachtvollen Altländer Bauernhäuser geben diesem Landstrich ein ganz besonderes Gesicht. Die älteren unter ihnen stammen noch aus dem 17. Jahrhundert – und sehen aus, als wären sie gerade erbaut worden. Gekrönt von einem Reetdach leuchten die verzierten Giebel und das Fachwerk in strahlendem Weiß, die Backsteine bilden Muster, die vor Blitzeinschlag oder dem bösen Blick schützen sollten. Eine auffällige Besonderheit an jedem Haus ist eine reich mit Ornamenten und frommen Sprüchen bemalte Tür, die sich ursprünglich nur von innen öffnen ließ. Durch diese Brauttür zog die junge Ehefrau in das Bauernhaus – und irgendwann auch wieder hinaus. Dann aber „mit den Füßen voran“, wie man auf einer der vielen Führungen durch das Alte Land erfahren kann.

Erfahren sollte man sich diesen historischen Landstrich an der Elbe übrigens auf jeden Fall – und zwar gemächlich mit dem Rad. Denn dann ist man ganz nah dran an dessen Schönheit. Idyllische Nebenflüsse schlängeln sich durch Obstgärten und Ortschaften hin zum großen Strom. Wie die Lühe zum Beispiel. Auf dem Elbe-Radweg geht es von ihrer Mündung auf dem Lühedeich in Richtung Steinkirchen. Auf der einen Seite schweift der Blick hinunter zum Fluss, auf Stege und Boote, auf der anderen Seite ziehen Fachwerkhäuser und Bauerngärten vorbei. Es dauert nicht lange, dann ist eines der beliebtesten Fotomotive im Alten Land erreicht: die Hogendiekbrücke. Weiß leuchtend ragt die Holz-Klappbrücke über den Fluss und erinnert an die Holländer, die hier einst das Land urbar machten.

Steinkirchen selbst hat einen schönen historischen Ortskern mit Kopfsteinplaster, das die Radfahrer ordentlich durchrüttelt. Bekannt ist es jedoch durch die St. Martini et Nicolai Kirche mit ihrem hölzernen Glockenturm. Dort steht eine der wertvollsten Orgeln des Alten Landes, die vom bekannten Orgelbauer Arp Schnitger Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut wurde. Weiter geht es über Mittelnkirchen, das sich beiderseits des Deiches entlangzuschlängeln scheint, bis nach Jork, wo einige der schönsten Altländer Bauernhäuser stehen.

Wer viel radfährt, hat irgendwann Hunger. Und auch wenn von so manchem Norddeutschland als kulinarische Wüste bezeichnet wird – hier im Alten Land ist davon nichts zu spüren. Produkte und traditionelle Gerichte aus der Region stehen auf den meisten Speisekarten, ein bisschen modernisiert, aber ohne viel Schnickschnack. Hungern muss hier niemand: Auf vielen Bauernhöfen gibt es ein Hofcafé, und an einladenden Restaurants mangelt es auch nicht.

Obstblüte und Erntezeit
Das Alte Land ist besonders bekannt für seine Obstblüte im Frühjahr, wenn Millionen von Kirsch- und Apfelbäumen die Landschaft in ein rosa-weißes Blütenmeer tauchen. Ab Ende August beginnt die Erntezeit, und zahlreiche Höfe bieten frisches Obst sowie selbstgemachte Produkte wie Marmeladen, Apfelwein und Säfte an.

Fachwerkromantik und historische Highlights
Die Region ist durchzogen von prächtigen Fachwerkhäusern mit kunstvoll geschnitzten Toren, sogenannten „Prunkpforten“. Besonders sehenswert sind die historischen Altstädte von Stade und Buxtehude. Beide Städte bieten mit ihren kopfsteingepflasterten Gassen, alten Speichern und malerischen Häfen ein unvergleichliches Ambiente.

Deichwanderungen und Radtouren
Entlang der Deiche bieten sich ausgedehnte Wanderungen und Radtouren an, bei denen Besucher die weite Landschaft, die Elbe und die Obstplantagen hautnah erleben können. Viele Routen führen zu charmanten Hofläden, Cafés und kleinen Kapellen.

Kirchen und Orgeln
Die barocken Kirchen der Region, wie die St. Matthias-Kirche in Jork, sind nicht nur architektonische Schmuckstücke, sondern beherbergen auch historische Orgeln, die regelmäßig bei Konzerten zu hören sind.

Traditionelles Altländer Blütenfest
Im Mai findet das Altländer Blütenfest statt, bei dem die „Blütenkönigin“ gewählt wird. Der Ort Jork verwandelt sich in einen bunten Treffpunkt mit Festumzügen, Musik und kulinarischen Genüssen.

Maritime Erlebnisse
Die Nähe zur Elbe bietet Gelegenheiten für Schiffsausflüge und Spaziergänge entlang des Flusses. Der Lüheanleger ist ein beliebter Spot, um die vorbeiziehenden Containerschiffe zu bestaunen oder die Fähre nach Hamburg zu nehmen.

Empfehlung

Mit erlebnisreichen Radtouren, Hofbesuchen und Festen ist das Alte Land ein ideales Reiseziel für Groß und Klein.

Beste Reisezeit

  • April bis Mai: Für die Obstblüte und das Blütenfest.
  • September bis Oktober: Zur Erntezeit, wenn frisches Obst und herbstliche Farben die Region prägen.

Tipp für Besucher

  • Hofläden und Cafés besuchen: Probieren Sie frisch gebackene Apfelkuchen, hausgemachte Säfte und regionale Produkte.
  • Obsthof-Touren: Viele Bauernhöfe bieten Führungen an, bei denen man mehr über den Obstanbau und die Geschichte der Region erfährt.

Das Alte Land erleben
Mit seiner Kombination aus Natur, Geschichte und kulinarischem Genuss bietet das Alte Land eine Auszeit vom Alltag. Die Region verbindet ländlichen Charme mit erholsamen Aktivitäten – perfekt für einen entspannten Kurzurlaub.

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