Auf der Festung Königstein muss ja auch ein Bäcker sein, singen die Kinder. Es folgen der Fleischer, Milchmann und beinahe alle Gewerke. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Sogar die Kanone bekommt einen Reim. Aber wahrscheinlich hat das gar nichts mit Fantasie zu tun. Denn Deutschlands größte Festung war eine Militärstadt mit eigenem Marktrecht. Heute ist das Bollwerk hoch über dem Elbtal auf einem riesigen Sandsteinfelsen Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz und ein beliebtes Ausflugsziel. Es lohnt sich, mit dem Festungskommandanten auf Zeit- und Entdeckungsreise zu gehen. Allein die Renaissancekaserne, das barocke Brunnenhaus mit 152,50 Meter tiefem Brunnen und das Pulver- und Proviantmagazin, wo auch der sächsische Staatsschatz eingelagert wurde, sind sehenswert.
Die Ende des 16. Jahrhunderts zur Landesfestung ausgebaute Wehranlage sicherte einst die Salzstraße und galt über 300 Jahre auch als ausbruchsicheres Staatsgefängnis. Hinter den bis zu 40 Meter hohen Mauern, die ein Areal von 9,5 Hektar einschließen, wurde 1706 Johann Friedrich Böttger (1682-1719) interniert. Als 19-Jähriger den Häschern des preußischen Königs entkommen, saß der Alchimist in der sächsischen Bastille, um aus unedlem Metall Gold zu machen. Im Folgejahr setzte er seine Versuche in der Jungfernbastei der Residenzstadt Dresden fort und erfand das „weiße Gold“.
Die Gewölbe der Dresdner Festungsanlage sind teilweise für die Öffentlichkeit zugänglich. Sie liegen unterhalb der Brühlschen Terrasse, die 1814 samt Lustgarten des kunstsinnigen Grafen Heinrich von Brühl den Dresdner Bürgern geöffnet wurde. Bald avancierte sie zur beliebten Flaniermeile mit berühmten Cafés und erhielt den Namen „Balkon Europas“. Eine Porzellanstele mit Böttgers Porträt erinnert an sein Wirken an diesem Ort. Im Januar 1708 war ihm ein erfolgreicher Probebrand gelungen – die Geburtsstunde des europäischen Porzellans.
Um das Geheimnis der Porzellanherstellung zu schützen, quartierte Kurfürst August der Starke (1670-1733) den Erfinder bald schon in der Albrechtsburg im nahe gelegenen Meißen ein. Das Baumensemble auf dem Burgberg aus Albrechtsburg und Dom war als Regierungssitz der Wettinischen Brüder Ernst und Albrecht gedacht, denen Sachsen und Thüringen gehörten. Die Leipziger Landverteilung und Verlegung der Residenz nach Dresden vereitelte dies. Da das Schloss kaum bewohnt war, ließ August 1710 hier die erste Porzellanmanufaktur Europas einrichten. Sie wurde erst 1863 an einen neuen Standort verlegt.
Das über 1000-jährige Meißen gilt als Wiege Sachsens. Ein Spaziergang durch die an beiden Ufern der Elbe gebaute mittelalterliche Stadt mit ihren kopfsteingepflasterten Gassen, den rekonstruierten Renaissancebürgerhäusern, romantischen Innenhöfen und Passagen führt meist in eines der urigen Weinlokale. Denn die steilen Weinberge in der Umgebung gehören zum kleinsten deutschen Weinanbaugebiet entlang der sächsischen Weinstraße.
Unweit der Albrechtsburg im Treibschrot befindet sich heute die Meissener Porzellanmanufaktur. Im Porzellanmuseum mit zwei Schauwerkstätten, der Schauhalle und dem Meissen Shop gelingt dem Besucher ein Blick hinter die Kulissen. Er kann die einzelnen Arbeitsschritte der Porzellanherstellung vom Drehen und Formen über das Bossieren (Zusammensetzen der Figuren) bis zum Bemalen der Stücke miterleben. Ganz nebenbei erfährt er, dass das berühmte Zwiebelmuster eigentlich Granatäpfel darstellt. Inzwischen gibt es viele Dekore.
Die Schwerter, das Zeichen für die Echtheit des Meissener Porzellans, lösten übrigens erst 1722 die Signatur AR für Augustus Rex ab. Wer selbst von echtem „Meissener“ speisen möchte, hat dazu im Restaurant Meissen Gelegenheit. Das berühmte Schwanenservice etwa wurde 1737 bis 1742 für Brühl angefertigt, der es nach dem Tode Augusts des Starken nicht nur zum Premierminister Augusts III., sondern auch zum Leiter der Porzellanmanufaktur gebracht hatte. Mit über 2000 Einzelteilen ist es das prunkvollste Service, das je eine Porzellanmanufaktur schuf. Auch die Porzellansammlung im Dres- dner Zwinger ist heute das weltweit größte Museum seiner Art. Liebhaber sollten sich den Anblick der Raritäten nicht entgehen lassen. Von rund 20 000 inventarisierten Porzellankunstwerken werden 2000 ausgestellt.
Highlights und Places-to-Be
- Albrechtsburg: Die älteste Schlossanlage Deutschlands thront majestätisch über der Stadt. Das spätgotische Bauwerk bietet Einblicke in die sächsische Geschichte und eine atemberaubende Aussicht auf Meißen und die Elbe.
- Meißner Dom: Direkt neben der Albrechtsburg gelegen, beeindruckt der gotische Dom mit seiner filigranen Architektur und den imposanten Türmen.
- Staatliche Porzellan-Manufaktur Meißen: Der Ursprung des Meißner Porzellans. Ein Besuch in der Manufaktur und im dazugehörigen Museum ist ein Muss. Hier können Sie hautnah erleben, wie das berühmte „Weiße Gold“ hergestellt wird.
- Altstadt Meißen: Kopfsteinpflaster, mittelalterliche Fassaden und gemütliche Gassen machen einen Spaziergang durch die Altstadt zu einem besonderen Erlebnis. Besuchen Sie den Marktplatz mit dem Rathaus und den Frauenkirchturm.
- Elbradweg: Für Radfahrer ein Genuss – erkunden Sie die Landschaft entlang der Elbe und machen Sie Halt in einem der vielen Weingüter.
Aktivitäten
- Weinverkostung: Meißen ist Teil des sächsischen Weinanbaugebiets. Probieren Sie lokale Weine wie Müller-Thurgau oder Traminer direkt bei den Winzern oder in einer Weinstube.
- Schifffahrt auf der Elbe: Entspannen Sie bei einer Dampferfahrt und genießen Sie den Blick auf die Stadt und die umliegende Landschaft.
- Kulturelle Events: Vom Meißner Weinfest bis hin zu den Domfestspielen – Meißen bietet das ganze Jahr über Veranstaltungen mit besonderem Flair.
Empfehlung
Die romantische Atmosphäre der Altstadt, die beeindruckende Architektur und die Möglichkeit, Weinproben in malerischer Umgebung zu genießen, machen Meißen zu einem idealen Ziel für Zweisamkeit.
Beste Reisezeit
- Mai bis Oktober: Für Weinverkostungen, Veranstaltungen und Outdoor-Aktivitäten entlang der Elbe.
- Dezember: Der Meißner Weihnachtsmarkt, einer der ältesten in Sachsen, verzaubert die Besucher mit seiner festlichen Stimmung.
Tipp für Besucher
- Meißner Weinfest: Jedes Jahr im September verwandelt sich die Stadt in ein Mekka für Weinliebhaber. Straßenmusik, regionale Spezialitäten und die Verkostung des sächsischen Weins machen das Fest unvergesslich.
