Erst kürzlich wurde das Grab des Stifters gefunden“, sagt Pater August, während er mit nahezu weltlicher Geschäftigkeit durch das Stift Rein führt. „Der Fund lockt Besucher an. Das ist gut fürs Geschäft, denn der Erhalt der Anlage ist teuer. Pater August ist einer von 16 Mönchen, die derzeit dem weltweit ältesten Zisterzienserkloster angehören. „Männliche Gäste, die hier Stille und Besinnung suchen, können jederzeit eine Woche mit uns leben.“
Das Kloster-Stift liegt 15 Kilometer nördlich der steirischen Hauptstadt Graz. Es ist ein Beweis dafür, dass die Steiermark mit ihren traumhaften Wanderwegen, Bergseen, Grotten, Gletschern und alpinen Skigebieten auch außerhalb der Mauern ihrer Metropole voller Geschichte steckt. Graz selbst, wegen des sehenswerten Altstadtkerns 1999 zur Unesco-Welterbestätte gekürt, machte 2003 als europäische Kulturhauptstadt von sich reden.
Lange Zeit als „Pensionopolis“ belächelt, hat sich Graz dank seiner Universitäten stark verjüngt – mittlerweile ist fast jeder fünfte Einwohner Student – und längst einen Platz in der internationalen Avantgarde-Kunstszene erobert.
Graz, die zweitgrößte Stadt Österreichs, besticht nicht nur durch ihre historische Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, sondern auch durch ihre umgebende Natur. Die Stadt an der Mur, die bereits im Mittelalter als Zentrum für Handel und Kunst bekannt war, bietet heute eine spannende Mischung aus Alt und Neu – ein perfektes Ziel für Kultur- und Geschichtsinteressierte.
Neben Schlossberg (123 Meter), barocken, klassizistischen und Jugendstil-Gebäuden ziehen die „Blaue Blase“, wie das neue Kunsthaus heißt, und die künstliche Mur-Insel Blicke auf sich. Durch diese vom amerikanischen Architekten Vito Acconci entworfene schwimmende Muschel, die Café, Amphitheater und die schönste Toilette der Stadt beherbergt, wurde der Fluss als neuer Lebensraum entdeckt.
Besucher, die das „Bermuda-Dreieck“ genannte Vergnügungsviertel um den Mehl- und Färberplatz nicht verschlungen hat, finden den Weg durch die Natur in die barocke Anlage von Rein mit schönen Stifthöfen und der stets offenen Basilika. Bei der Führung durch das 1129 gegründete und seitdem durchgängig bewirtschaftete Stift erfahren die Gäste, dass die Zisterzienser in erster Linie Baumeister und Handwerker waren. „Erst später kamen richterliche, pastorale und Verwaltungsaufgaben hinzu“, sagt der Pater und eilt in seiner schwarzen Soutane mit dem weißen Überhang voran.
Aufmerksamkeit gilt dem wertvollen Chorgestühl und der romanischen Kapelle hinter Glas. Enge Gänge führen mitten ins 12. Jahrhundert und in die Bibliothek. Es riecht nach Staub und altem Pergament. Rund 300 Handschriften und 120000 Bücher stapeln sich in den hohen Regalen.
Damals war Stift Rein Skriptorium für ganz Mitteleuropa. Pater August blättert im Reiner Musterbuch mit 14 verschiedenen Berufsdarstellungen, das zwischen 1208 und 1213 entstand. „Das ist nur eine Kopie“, bedauert er. Aber im Museum von Wien sei das Original gut aufgehoben.
Schon betrachten staunende Augen ein anderes Meisterwerk der schreibenden Mönche aus der Hochblüte der Buchmalerei: das „Antiphonale“. „Alle 300 Bögen sind digitalisiert und im Internet abrufbar“, demonstriert der Mönch am Computer und druckt gleich ein paar Seiten aus. Der 65-Jährige geht mit der Zeit und beherrscht die moderne Technik. „Wer mag, kann einen Druck für drei Euro mit nach Hause nehmen“, sagt er.
Dann streicht er beinah liebevoll über einen runden Steintisch. Eine Glasplatte schützt die eingeätzten Daten – für 200 Jahre im Voraus berechnete Wochentage, Sternzeichen, Mond- und Sonnenaufgänge etc. „Der Kalendertisch von Johannes Kepler aus dem Jahr 1607“, verkündet Pater August stolz. Kepler (1571-1630), der 1594 als Lehrer für Mathematik und Moral an die evangelische Stiftsschule nach Graz kam, erstellte als Mathematiker der Landesregierung Kalender mit Prognostica. Dadurch erlangte er auch als Astrologe Berühmtheit. „Und was tun die Bauern im Dezember?“, fragt der Pater, der erst vor sechs Jahren ins Kloster kam und davor Pastor und damit selbst Lehrer war. Schweine schlachten, lässt der Kalender erkennen. Jeder Monat ist entsprechend bebildert. Pater August verweist auf die einzigartige Sammlung, darunter der älteste deutsche Kalender von 1373, barocke Bauern- und Mondkalender.
Mit einem Blick auf die Uhr, die an unsere Endlichkeit erinnert, wie er betont, und zunächst nur zur vollen Stunde schlug, erklärt er noch den langen Weg zur Sekunde, bis er sich freundlich verabschiedet.
Auch der Uhrturm, der sich gedrungen als städtisches Wahrzeichen an den Schlossberg von Graz duckt, hatte ursprünglich nur einen Zeiger. Jetzt gibt der große die Stunden und der kleine die Minuten an, weil sie bei der nachträglichen Montage vertauscht wurden. Zunächst reichte es, die Stunden zu wissen. Dann schlugen die Uhren auch die Viertelstunden. Im 18. Jahrhundert kam die Minuteneinteilung hinzu. Die Sekunden wurden gar erst im 19. Jahrhundert eingeführt. Aber dem Reisenden schlägt bekanntlich keine Stunde.
Highlights und Places-to-Be
- Schlossberg: Das Wahrzeichen von Graz thront hoch über der Stadt und bietet einen herrlichen Blick auf die Altstadt und das Umland. Der Schlossberg ist mit einer modernen Seilbahn und Treppen zu erreichen und beherbergt das Uhrturm-Museum, ein beliebtes Fotomotiv.
- Altstadt Graz: Die historische Altstadt, mit ihren engen Gassen und prunkvollen Gebäuden, lädt zu ausgiebigen Spaziergängen ein. Besonders sehenswert sind der Hauptplatz, die Herrengasse und die Mausoleumskirche.
- Kunsthaus Graz: Das futuristische „Friendly Alien“ ist ein modernes Kunstmuseum, das sich durch seine Architektur und seine wechselnden Ausstellungen von zeitgenössischer Kunst auszeichnet. Es ist eines der Highlights der kreativen Szene von Graz.
- Landeszeughaus: Das größte historische Waffenlager der Welt, das Landeszeughaus, bietet einen faszinierenden Einblick in die Geschichte der steirischen Landesverteidigung. Mit mehr als 30.000 Exponaten ist es eine beeindruckende Sammlung von Rüstungen, Waffen und militärischen Geräten.
- Murinsel: Eine schwimmende Insel mitten in der Mur, die als kulturelles Zentrum und Café dient. Sie wurde zur Kulturhauptstadt Graz 2003 erbaut und bietet eine einmalige Aussicht auf die Stadt.
Aktivitäten
- Weinverkostung in der Steiermark: Graz ist umgeben von einer der bekanntesten Weinregionen Österreichs. Unternehmen Sie eine Weintour oder besuchen Sie eines der vielen Weingüter in der Umgebung und genießen Sie den berühmten steirischen Wein.
- Spaziergang entlang der Mur: Die Mur führt durch Graz und lädt zu einem gemütlichen Spaziergang oder einer Radtour entlang des Flusses ein. Besonders schön ist es bei Sonnenuntergang, wenn sich die Farben der Altstadt im Wasser spiegeln.
- Besuch der Grazer Oper: Für Kulturfreunde ist ein Besuch der Grazer Oper ein Muss. Das Haus bietet ein abwechslungsreiches Programm von Opern, Ballett und klassischen Konzerten.
- Grazer Weihnachtsmarkt: Der Grazer Christkindlmarkt auf dem Hauptplatz zählt zu den schönsten Weihnachtsmärkten Österreichs. Genießen Sie lokale Köstlichkeiten und Handwerkskunst in der festlich beleuchteten Altstadt.
Empfehlung
Graz bietet sowohl kulturelle Highlights als auch zahlreiche entspannende Aktivitäten inmitten einer schönen Umgebung, was es zu einem idealen Ziel für eine Städtereise macht.
Beste Reisezeit
- Mai bis Oktober: Für angenehme Temperaturen, Spaziergänge durch die Altstadt und den Besuch von Weingütern und kulturellen Veranstaltungen.
- Dezember: Der Grazer Christkindlmarkt macht Graz in der Vorweihnachtszeit zu einem besonders magischen Ziel.
Tipp für Besucher
Kunsthaus Graz: Wenn Sie modernes Design und zeitgenössische Kunst lieben, sollten Sie unbedingt das Kunsthaus Graz besuchen. Es bietet nicht nur außergewöhnliche Ausstellungen, sondern auch einen großartigen Blick auf die Stadt vom Dach.
